Ohne Ohr kein Team – Führungskräfte müssen Kritik aushalten können

Nestor Diaz – Lummi

In der Diskus­sion um Employ­er Brand­ing und Mit­arbei­t­er­bindung steht vieles im Fok­us – von Homeof­fice bis Fam­i­li­en­fre­und­lich­keit. Doch ein Aspekt wird oft über­se­hen: die Feed­back­kul­tur. Genauer gesagt, die Bereit­schaft von Führung­skräften, Kritik anzun­eh­men, daraus zu lernen und sich weit­erzuentwick­eln.

Zwischen Führungsstil und Frustration

„Mit­arbeit­er ver­lassen keine Unterneh­men, sie ver­lassen ihre Vorge­set­zten“ – dieser oft zit­ierte Satz ist vielen bekan­nt, aber in der Prax­is noch nicht aus­reichend ver­in­ner­licht. Zahlreiche Beschäftigte den­ken regel­mäßig über eine Kündi­gung nach – nicht wegen des Unternehmens, son­dern wegen ihres direk­ten Vorge­set­zten. Die Ursachen sind vielfältig: fehlende Wertschätzung, Mik­roman­age­ment, man­gelnde oder unklare Kom­munika­tion.

In der Per­son­al­ber­a­tung sprechen wir in sol­chen Fäl­len von pass­iven Kan­did­aten – Menschen, die nicht akt­iv auf Job­suche sind, aber den­noch offen für neue Ange­bote, weil sie sich in ihr­er aktuel­len Führungs­situ­ation nicht gese­hen oder ver­standen füh­len.

Dabei erwarten Mit­arbeitende keineswegs eine „per­fekte“ Führung­skraft. Gefragt ist viel­mehr jemand, der zuhören kann, der Kritik annim­mt, Schwächen eingesteht und bereit ist, sich weit­erzuentwick­eln. Die Zeiten des autor­itären Alphati­ers sind vorbei. Mod­erne Führung lebt vom Dia­log – nicht von Dom­in­anz.

Zuhören – die unter­schätzte Schlüs­selkom­pet­enz

In vielen Unterneh­men fehlt es nicht an Feed­back – aber an der Bereit­schaft, dieses als Ges­chenk zu ver­stehen. Beson­ders auf­seiten der Führung­sebene ist die Angst vor Kritik groß. Eine Stud­ie der Ber­a­tung Rochus Mum­mert zeigt: Sechs von zehn Führung­skräften sch­euen das Urteil ihr­er Mit­arbeitenden. Die Befürch­tung, Schwäche zu zei­gen oder die eigene Autor­ität zu unter­g­raben, sitzt tief.

Dabei kann gerade die Fähigkeit, Kritik anzun­eh­men, eine starke Lead­er­ship-Qual­ität sein. Zuhören sig­nal­is­iert Wertschätzung, baut Ver­trauen auf und stärkt die Bez­iehung­sebene. Das führt nicht nur zu ein­er besser­en Arbeit­sat­mo­sphäre, son­dern ist auch öko­nomisch sin­nvoll: Motivierte Mit­arbeit­er, die sich ernst gen­om­men füh­len, sind produkt­iver, loy­aler – und bleiben länger im Unterneh­men.

Führung als Vor­bild: Wer Feed­back will, muss Feed­back leben

Ein mod­ern­er Führungsstil bedeutet, selb­stkrit­isch zu sein und sich als lern­ende Führung­skraft zu ver­stehen. Wer Feed­back erwar­tet, soll­te es auch anneh­men können – auf Augen­höhe und ohne Abwehr. Führung­skräfte sind Vor­bilder – ob bewusst oder nicht. Ihr Ver­hal­ten prägt die Unternehmenskul­tur.

Zuhören ist dabei kein pass­ives Abnick­en, son­dern akt­ives Ver­stehen. Es erfordert die Bereit­schaft, sich in die Per­spekt­ive ander­er hinein­zu­ver­set­zen, das eigene Ver­hal­ten zu hin­ter­fra­gen – und Kon­sequen­zen zu ziehen. Der Lohn? Eine resi­li­entere Unternehmenskul­tur, in der Zusammen­arbeit nicht auf Hier­archi­en, son­dern auf Ver­trauen basiert.

Die Zukun­ft gehört der reflektier­ten Führung­skraft

Der Druck auf Führung­skräfte wächst. Zwis­chen der Erwar­tung, wirtschaft­liche Ziele zu erreichen, und dem Wun­sch der Beleg­schaft nach Sinn, Trans­par­enz und Fair­ness, entstehen neue Anfor­der­ungen an Lead­er­ship. Die Ant­wort kann nur lauten: reflektier­en, zuhören, sich weit­er­entwick­eln.

Denn Feed­back ist kein Angriff auf die Autor­ität. Es ist ein Ange­bot – zur Verbesser­ung, zur Ver­bindung, zur gemein­samen Entwicklung. Wer das ver­steht, wird nicht nur als Chef geschätzt, son­dern auch als Mensch respek­tiert.

Fazit

Wertschätzung ist mehr als Lob. Sie begin­nt dort, wo Chefs bereit sind, auch unbe­queme Wahrheiten zu hören – und sie ernst zu neh­men. Eine echte Feed­back­kul­tur ist kein „Nice-to-have“, son­dern ein strategis­cher Wettbe­w­erbs­vorteil in Zeiten von Fach­kräfte­m­an­gel.

Und sie begin­nt ganz oben.


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